Fotos: Gerd Nickel
MAIN-POST
  Ausgabe Karlstadt
  vom Mittwoch, den 19. Dezember 2012

von Günter Roth
Alles zur rechten Zeit am richtigen Ort

Theater lebt natürlich von den Schauspielern, aber auch von den unsichtbaren, guten Geistern hinter der Bühne. Unsere kleine Serie „Hinter den Kulissen“ ist diesen Leuten gewidmet, ohne die letztendlich gar nichts geht. Heute stellen wir die Requisiteurin Christa Messner vor.

Wenn während der Vorstellung das Telefon klingelt und der Schauspieler den Hörer abnimmt, ist das durchaus normal. Aber wenn das Stück in den 1920er-Jahren spielt und ein modernes Tastentelefon auf der Bühne steht, passt das nicht zusammen.

Ein Fall für Christa Messner. Die Requisiteurin des Theaters in der Gerbergasse wacht darüber, dass vor den Kulissen alles stimmig ist und dass hinter dem Vorhang bereit liegt, was im Lauf des Stücks von den Schauspielern gebraucht wird.

Das besagte Telefon muss nicht nur passend vorhanden sein, es muss auch funktionieren. Da greift der Akteur unter den Tresen, um ein paar weiße Tennissocken hervorzukramen - also müssen diese zuvor dort sicher deponiert sein. Der Brief mit den kompromittierenden Zeilen darf in der kleinen braunen Handtasche nicht fehlen, wenn die entscheidende Gegenüberstellung stattfindet. Für all diese Unzahl von scheinbar unbedeutenden Nebensächlichkeiten ist Christa der unverzichtbare gute Geist in der Gerbergasse.

Seit fast 30 Jahren gehört sie der Theaterbühne Karlstadt an. Sie war schon 1984 im Schwanensaal mit dabei, als die Gruppe noch unter dem organisatorischen Dach der Karlstadter Volkshochschule arbeitete. Nach dem Tod ihres Mannes wollte und musste sie ihr Leben umstellen und hat damals einfach bei der Vhs angerufen und gesagt, sie wolle mitmachen. Schauspieler wurden zu diesem Zeitpunkt nicht gebraucht, aber eine Betreuung für die Requisiten war dringend nötig. Daraus ist eine Aufgabe für mehr als ein viertel Jahrhundert geworden.

Gespräch mit Regisseur

Wenn ein neues Stück eingeübt wird, bespricht sie gemeinsam mit den Regisseuren, was gebraucht wird. Dann geht sie auf die Suche nach geeigneten Gegenständen. Vieles ist schon da im umfangreichen Requisiten-Bestand, anderes sucht sie bei sich und bei Bekannten zusammen. In der Endphase der Proben ist sie meist dabei und weiß ganz genau, was wann, wo und wie auf seinem Platz zu sein hat. An der Wand hinter den Kulissen sind dann zum Beispiel Haken angebracht, an denen die Kleidungs- und Verkleidungsstücke in der Reihenfolge hängen, wie sie gebraucht werden.

Aber nicht nur Gegenstände müssen rechtzeitig am richtigen Platz sein, manchmal muss sich Messner auch aktiv um die Präsenz der Schauspieler kümmern, wenn diese - wie bei einer Aufführung im Hofriethgärtlein - noch vespern und fast ihren Auftritt verpassen, oder wenn ein verzweifelter Mime den Schlüsselsatz fünfmal wiederholen muss, weil sein Antagonist vor lauter Schwätzen hinter der Bühne überhaupt nicht bei der Sache ist.

Vor allem aber liebt Christa die Arbeit mit Kindern. Daher betreut sie liebevoll die Aufführungen von Schulklassen und Jugendgruppen, für die ein Auftritt in einem echten Theater ein ganz besonderes Erlebnis ist. Hier organisiert sie nicht nur die Proben und Vorstellungstermine in der Gerbergasse, sie gibt auch geduldig und kompetent den mehr oder weniger unerfahrenen Lehrern und Schülern nützliche schauspielerische oder technische Tipps.

Einen Lohn aber bittet sie sich dann immer für sich aus: Sie will ein gemeinsames Foto mit den jungen Schauspielern.